home UCM21

-----

.tHE .sIRIUS .cYBERNETICS .cORPORATION


UCM 21
--------------------------------------------------------------------------------
                          WEIHNACHTSWAHN IN DEUTSCHLAND
--------------------------------------------------------------------------------

Hallo zusammen, es ist Zeit wieder mal ein wenig muttersprachlich zu agieren...

Ja, Weihnachten steht vor der Tür, das ist  jedem bewusst und bekannt, doch wenn
man mit  offenen Augen durch die Welt  läuft, wird einem nach  kurzem hinschauen
auch der damit verbundene Wahn offenbar.

Kurz eine  Vorgeschichte, die von Nöten ist, um all das  kommende besser zu ver-
stehen. Hier, bei uns zu Hause, im Süden von Sachsen-Anhalt, ist  uns zwar schon
bewusst, dass  das Weihnachtsfest religiösen  Ursprungs ist, doch wurden  wir in
den 4o Jahren DDR  von jeglichem  Religionswahn "zwangs"geheilt und  Weihnachten
wurde mehr und mehr zu einem weltlichen Fest, Symbol für friedliches Miteinander
und Füreinander dasein, für ruhige Stunden im Kreise der  Familie daheim, in ei-
ner dunklen, ja nahezu lebensfeindlichen Jahreszeit.

Die Weihnachtszeit war vor  nicht allzulanger Zeit in  unseren Breiten  wirklich
mehr ein Fest für die  Familie, mit  RICHTIGER Vorfreude auf  Geschenke, denn es
gab bekanntlich nicht alles in unserer guten alten DDR und man war froh auch nur
halbwegs entsprechende Geschenke auftreiben zu können. Auch wenn man  sich dafür
die Hacken abrennen und Schlange stehen musste... dafür war aber die Freude beim
Schenken und Beschenkt werden viel grösser.

Der Wahn fing auch nicht  mit Beginn  des Herbstes  an, nein, erst  wenn man die
Schokoweihnachtsmänner im Konsum sah, wusste man, es ist bald so soweit. Und als
dann kurz vor den Feiertagen  auch noch  rationsweise die  Nüsse verkauft wurden
und Cuba-Apfelsinen, nicht gerade orange sondern eher grün, zu  haben waren, war
schon klar, dass jetzt die Zeit der Heimlichkeiten losging. Plätzchen backen und
heimliches Werkeln im Keller war an der Tagesordnung.

Und schlussendlich  kam  mit den  Feiertagen nicht  nur die  Zeit des Beschenkt-
werdens, nein, auch die Besuche in  der Familie untereinander aber  auch bei all
den Menschen und Freunden, von denen man lange nichts hörte, gehörten dazu.
Auch Spaziergänge über einen längst  nicht so üppigen  Weihnachtsmarkt und durch
leere (die  meisten Geschäfte  schlossen ja schon um 5) Strassen, liessen  einen
fühlen, insbesondere anhand der glücklicherweise  spärlichen Deko, dass die wohl
besinnlichste und ruhigste Zeit des Jahres angebrochen ist.

In Zeiten wo es nicht viel gab, zählten halt andere Werte. Ohne diese Zeiten zu-
rücksehnen zu wollen, ist diese besinnliche Zeit nach der Wende in ein Chaos ab-
geglitten, welches von Jahr zu Jahr abartigere Ausmasse annimmt.

Hola! Der Kapitalismus hat uns wieder und als hätten  die Bürger der  ehemaligen
DDR etwas nachzuholen, stürzen sie sich ins Getümmel. Nein, es  zählt nicht mehr
die Fantasie beim Geschenkekauf, es muss halt nur viel und trendy sein.
Und so schleppen die Menschen haufenweise oftmals sinnlose Waren aus den Konsum-
tempeln, ohne genau zu wissen warum und wofür...

Die einst eh schon durch ihre  Kälte und Dunkelheit  bedrückende Zeit, ist durch
die Kälte und Hektik im  täglichen Kampf an  der Ladentheke um  einiges ungemüt-
licher geworden. Selbst der am besten  geplante und mit  viel Zeit bedachte Ein-
kaufsbummel wird in diesen Zeiten zu einer Schlacht und man fällt  am Ende ziem-
lich entleert zu Hause ins Bett und denkt: "Hoffentlich ist es bald vorbei!"...

Das vormalige Denken daran, mit wenig einem Menschen eine Freude zu bereiten ist
einem unmöglichen  Konsumdenken gewichen. Von allen  Seiten stürzen  perverseste
Werbungen unerbittlich auf die  armen Menschen ein. Durch  Dauerwerbeschrott und
Trend-Wahn werden Kinder zu Nervensägen und in vielen Häusern, in denen das Geld
knapp wird, bricht der Kriegszustand aus, denn diese Markenartikel und das Handy
und der Mist müssen her, oder es wird gestreikt und gebockt bis Neujahr...

Und so hetzen die Mütter und Väter, Omi's und Opi's kurz vor  dem Fest der Feste
bepackt  wie arabische Händler  durch die Städte um den Haussegen  zu retten. Es
fragt keiner mehr nach Sinn und Zweck, denn diese Fragen werden durch  die über-
dreht tönenden Medien einfach überfahren.

Nicht nur das diese  ganze Dramatik und Hektik der Vorweihnachtszeit dieses Fest
als nicht erstrebenswert empfinden lassen, nein, Weihnachten wird  viel mehr als
Marketing und Konsumschlacht verstanden. Auch wenn ein paar  Leute sich brüsten,
Heiligabend wieder in die Kirche zu gehen, den Sinn, vor allem den ich dem Weih-
nachtsfest aus  der Sicht eines  ehemaligen DDR Bürgers  beimesse, erfasst schon
lange kaum noch einer.

Wie schreibt  man doch  meist auf den Karten: "Glanzvolle und besinnliche Feier-
tage"... nein, sie sind nicht glanzvoll, da  man sich erholen muss, von dem gan-
zen Stress  und Wahn der  Vorweihnachtszeit. Es macht  einfach keinen  Spass und
Sinn mehr.

Und es  gibt weiterreichende  Gründe dafür. Es ist  nicht nur Stress  und Hektik
Schuld am  Verfall der  weihnachtlichen Vorfreude. Mit dem ganzen  aufgeblasenen
Vorweihnachtsgeschäft entlarvt sich der Trubel ohnehin selbst.
Wenn man in  manchen Supermärkten schon im September über die ersten Weihnachts-
artikel stolpert, scheinheilig aus irgendwelchen Ecken Weihnachtsmusik trällert,
während  Palettenweise Sonderposten verramscht werden, freut man  sich von vorn-
herein nicht mehr drauf. Einzig und allein Grauen macht sich breit.

Dazu kommt der ganze Kitsch, der langsam von jeder Strasse, jedem Laden und auch
jedem Fenster in der Stadt Besitz ergreift. Je mehr Lichterketten man hat, desto
mehr zeigt  man seine  Freude auf  Weihnachten? Je krasser  die Lauf- und Blink-
lichter  sind, je höher die Stromrechnung, je mehr Geld  verpulvert wird, gleich
nach dem Motto, hast du was, bist du was? Auf der einen Seite ist solches Gehabe
schon lächerlich, auf der anderen Seite stimmt es sehr traurig.

Aber es kommt schlimmer. Auch die traditionsbewussten  und zum Teil auch noch in
gewisser  Weise religiös gebundenen Menschen, verfallen diesem  Wahn. Das reicht
von  Plastikspieluhren aus Taiwan und blinklichtgeschädigte  Plastik-Krippen aus
Korea über  diverserlei anderen  Kitsch mehr. Das diesen Produkten jedwede  auch
nur ein bisschen Heimelichkeit und Gemütlichkeit abgeht, stört die  meisten aber
wenig. Es ist bunt, passt  zum lauten  oberflächlichen Klischee  unserer Gesell-
schaft und kostet nur 1o DM, also her damit!

Andere grauenvolle Entdeckungen kann man dafür in  den Supermärkten tätigen, das
reicht von halbnackten Weihnachtsfrauen letztes  Jahr bis hin  zu Osterhasen mit
roter  Mütze und  Bart dieses Jahr (gesehen im Toom Supermarkt Jena). Wo  bleibt
denn da der Sinn und Verstand?! Selbst für die  Kinder geht damit  langsam jeder
Bezug zu Weihnachten verloren.
Und um dem ganzen Irrsinn die Krone aufzusetzen, stehen  gleich  neben den Weih-
nachtsschokofiguren die bunten hartgekochten Ostereier und Osterzuckerdragees.
Soweit sind wir schon...

Tja, und dafür kann nun glücklicherweise keiner so  richtig was, hinzu kommt nun
auch noch das  Fehlen anderer  Tribute, die man  weihnachtlich nennen kann. Wenn
man den laut und schrill klingenden Supermarkt verlässt, steht man blinzelnd auf
dem Parkplatz, die Sonne lacht vom Himmel und man möchte am liebsten seine Jacke
ausziehen... Schnee hat man  schon seit Jahren nicht mehr richtig zu Gesicht be-
kommen..

Dann setzt man sich  erschöpft ins Auto und denkt... was zur Hölle geht hier nun
eigentlich vor?!

Ich will es  nicht weiter ausführen. Mir reicht es, wenn ich  nachher wieder zum
Spätdienst muss, die vielen übertrieben bunt leuchtenden  Fenster sehen muss und
bei meinen Patienten den letzten Kitsch betrachten muss...

Denkt über meine Zeilen nach, verbringt lieber etwas mehr Zeit mit den Menschen,
die Euch was bedeuten als in den ganzen Konsumtempeln...


                                eine besinnliche und geruhsame

                                            (Vor)Weihnachtszeit wünscht...

                                                                         moondog
--------------------------------------------------------------------------------

UCM 21