home UCM22

-----

.tHE .sIRIUS .cYBERNETICS .cORPORATION


UCM 22
--------------------------------------------------------------------------------
                         NO ANGELS LIVE - 3o.11.2oo1
--------------------------------------------------------------------------------

Gleich vorweg... dies  ist ein  Konzertbericht, der  von KEINEM Fan  geschrieben
wurde, sondern von  einem Opfer der Familienbande. Und  dabei bin ich noch recht
glimpflich davon gekommen, war mein Töchterlein in spe doch bis vor 2 - 3 Jahren
ein glühender Kelly Family Fan...

Egal, alles nahm damit seinen  Anfang, dass  mein holdes  Weib unserem  Goldkind
versprochen hatte, einmal  mit ihm und  zusammen mit mir zu einem  Kelly Konzert
zu gehen... Ich habe  meine  Meinung  zwar lauthals  kundgetan, aber  gegen zwei
Weiber ist nunmal  kein ankommen. Das  Kind wurde  grösser und die Kellies waren
out... und  da erschien  auf der  TV Glotze diese  unsägliche  Popstars Sendung,
Traum der Zahnspangengeneration, eigentlich eine Zurschaustellung der Sinnlosig-
keit heutiger sogenannter Musikkultur. Aber die Teenies mochten das, diese wirk-
lich seelen und sinnfreie Plastik Musik Kultur... Gemacht  um das grosse Geld zu
verdienen, und nichts weiter...

Jedenfalls hiess das erste  dieser Kunstprodukte  auf deutschem Boden NO ANGELS,
eine Band, die keine  ist. Eine Zusammenstellung von 5 Weibern, nach  denen kein
Hahn je gekräht hätte, die mit  Gewalt zur  Popgruppe getrimmt wurden, zusammen-
gepfercht in eine  WeiberPopWG, getrimmt das  grosse Geld für die Macher zu ver-
dienen, die  nicht mal  ihren Bandtitel  selbst bestimmt  haben, die keinen Song
selbst  verfasst haben, denen  sämtliches  Outfit, Styling, jede Pose  und jedes
Wort vorgeschrieben  worden sind... und, was das  enttäuschendste überhaupt ist,
die die deutschen Charts über Nacht gestürmt haben...

Sei es wie es sei, für mich haben  die NO ANGELS endgültig das Musikgeschäft als
Kundentäuschung enttarnt... für die Teenies sind sie das grösste...

Nunja, meine  gute Frau bestellte  ohne mein  Wissen die Konzertkarten für deren
Auftritt im  November in Leipzig  und bei dem strammen  Preis von satten 6o Mark
läuft mir  jetzt noch der  Schauer den Rücken hinunter. Wo  gibts denn sowas, so
viel Eintritt verlangt nur jede 2. vernünftige Band... und die machen ihre erste
Konzerttour überhaupt... bleurgh...

Egal... eingestimmt auf das Theater wurde ich schon  lange vorher, indem ich Tag
für Tag zu hause mit den neusten Singles der Weibertruppe zugedröhnt wurde, fast
schon hysterisches Gekreische über  mich ergehen  lassen musste, wenn die Weiber
mal im Fernsehen erschienen  sind oder im Radio zu hören waren, musste mit anse-
hen wie das Goldkind jeden Quadratzentimeter toller Strukturtapete mit NO ANGELS
Postern überspannte... Und der entsetzliche Tag rückte näher und näher.

Schon Wochen vor dem Konzert begann Sarah, so heisst die Teenie Dame, eine ganze
Reihe von unsägliche Plakaten zu  entwerfen, Briefchen zu schreiben, die sie auf
die Bühne schmeissen wollte und Kuscheltiere auszusortieren. Als es dann so weit
war, blieb sie an einem fast  1m grossen Löwen hängen  und brachte einen grossen
Pappdeckel als  Plakat  zu stande. So gerüstet  starteten wir  letztendlich nach
Leipzig, und ich war  froh wenn ich daran  dachte, dass in wenigen Stunden alles
vorbei sein sollte...

In Leipzig  angekommen, suchten  wir den Konzertort, der  als Alte Messe bekannt
war und den ich vor ein  paar Jahren im  Rahmen eines  Depeche Mode Konzertes in
bester Erinnerung hatte. Sarah war meines  Erachtens so aufgeregt, dass sie kurz
davor stand einen Blackout zu kriegen. Auf  den Strassen rund um  die alte Messe
bewegten sich Grüppchen von  Teenie Tussies ins Richtung  Konzerthalle, jede mit
Plakat und Kuscheltier bewaffnet. Und so schlossen wir uns an...

Vor der Halle indess erwartete uns  bereits eine Traube von  kleinen Menschlein,
die meisten so im Alter von 1o - 15 Jahren, meist in Begleitung ihrer Eltern und
Grosseltern. Diese drängten in Richtung Eingang und brüllten wie die Blöden...
"Wir wollen rein, wir wollen rein"... naja, ich nicht unbedingt...

Die Hysterie vor dem Eingang hatte bereits  einige Opfer gefordert und so sassen
verstört drein schauende Kinder auf der kalten Wiese und warteten auf die netten
Herren vom  Roten Kreuz. Heulend wurden sie  abtransportiert, wohl wissend, dass
sie nicht dabei sein  konnten... in mir  regten sich  Gefühle es ihnen gleich zu
tun, mich  davontragen  zu lassen  und von netten Schwestern  umsorgt zu werden,
nur bin ich  leider schon  Massenkonzert  gestählt und  hielt mich wacker in dem
Gedränge. Das war  auch nicht  gar so schwierig, schliesslich  überragte ich die
meisten Anwesenden um einen wenn nicht sogar zwei bis drei Köpfe.

Nach einer  Weile gaben die Leute von der Security, die sehr zahlreich vorhanden
waren, den Weg in die Halle frei, ständig Wasserflaschen, Regenschirme  und der-
gleichen mehr  aussortierend. Gleich hinter dem  Foyer in der  grossen Vorhalle,
wurden die Teenies mit etlichen  Merchandising Ständen belohnt, natürlich müssen
die bluten, Kaffepötte  für 15 DM... geil! Wir  hielten uns aber nicht lange auf
und machten  uns auf  den Weg in die  Haupthalle, nochmals von  der Security auf
Herz und Bändchen überprüft... Lustig dabei ist, dass wir alle ein Rock-Am-Ring-
Bändchen bekamen... dafür hat's wohl nicht mehr gereicht?!

Die Haupthalle selbst  liess Ernüchterung  aufkommen... Einst drängten sich hier
über 6.ooo  Depeche Mode Anhänger... diesmal  war soviel Platz, dass  man bequem
hätten ein paar Reisebusse parken können. Das hintere  Drittel der Halle war mit
einer riesigen  Tribühne zugebaut, die vielleicht  zur Hälfte besetzt war. Geil!
Sitzplätze  auf einem Konzert! Wo gibts  denn sowas?! Das  mittlere  Drittel war
ziemlich leer und das vordere Drittel konzentrierte sich in einer Traube vor der
Bühne... Alles in allem würde ich sagen, waren mit allem drum und dran so an die
2.ooo Leute da... schon beachtlich, insbesondere wenn man bedenkt, dass das fast
alles Teenies waren! Und somit  könnt ihr euch  auch vorstellen, was da noch auf
mich zu kam...

Jedenfalls tat  sich lange  Zeit nichts... Zeit genug für ein paar asoziale Sub-
jekte, die  irgendwie auch hierher gekommen waren, sich  mit Bier abzufüllen (!)
und mit den Securities anzulegen... Da  die aber  zahlreich vorhanden waren (ich
habe allein  im hinteren  Bereich der Halle so an die 2o gezählt... Teenies sind
ja so  gefährlich...) gaben  die Störenfriede  beizeiten  Ruhe, weil  sonst eine
auf's Maul...

Naja, und um die Stimmung  anzuheizen, wurde plötzlich ein Trailer zum Atlantis-
Film gespielt und bei den ersten Takten hob ein Teenie-Kreisch-Orkan an, dass es
in den Ohren  klingelte... Auf der Bühne war zwar  keine Sau zu  sehen, doch das
machte  den Wänsten nichts  aus, und so  wurde halt  mal einige Minuten lang ge-
blökt und geschrien... ich betete nur, dass der Trailer bald zu ende ginge...

Diese Szenerie wiederholte sich einige Male und  Sarah, die natürlich vor an die
Bühne wollte, musste sich vor Hitze schon der Jacke und Pullover entledigen...
wahrscheinlich war das Gebrülle so anstrengend... Nunja, ich  zog mich weiter in
den hinteren Bereich zurück und harrte der Dinge die da kommen sollten.

Endlich wurde  das Licht runtergedreht, natürlich  begleitet  von einem weiteren
unsäglichen Kreischkonzert  und irgendso  ein Lutscherbubi sprang auf die Bühne!
Aha, die Vorband... Die  Teenies in den ersten Reihen haben dies scheinbar nicht
gleich gecheckt und brüllten immernoch wie die Stiere und bombardierten den Kerl
mit Plüschtieren... Ben McCosker  hiess der  Spargel und  er sang, wie sollte es
denn auch anders sein, ein paar Songs nach, einer war glaube ich von Rick Astley
oder so?

Jedenfalls  rammelte er die  ganze Zeit  halbnackt auf der  Bühne rum, stammelte
seine 4 Songs herunter, einer  davon war doppelt im  Programm, und probierte zum
Schluss, die johlende Menge völlig abgehetzt und schweisstriefend in gebrochenem
Deutsch auf die NO ANGELS einzustimmen... Junge war das Scheisse!
Zum Glück wankte Bennie, sicher  um ein paar pubertierende Groupies reicher, von
der Bühne unters Sauerstoffzelt, um sich von seiner 15 Minuten Show zu erholen.

Und die Warterei wurde unerträglich, denn die Hysterie erreichte einen Höhepunkt
nach dem  anderen. Und endlich... es wurde  auch langsam  Zeit... kamen die 5 WG
Weiber auf die Bühne und jetzt  gab es kein  halten mehr... Der Saal  tobte zwar
nicht, aber dafür die  Traube Teenies, die  sich an die  Bühne geklebt hatte. Es
herrschte ein ohrenbetäubender Lärm in der Halle und  ich konnte einige Omas und
Opas flüchten sehen, ebenso wie einige vom Kreischen erschöpfte Kinder, die sich
in die Obhut der Rot Kreuz Menschen begeben mussten.

Auch Sarah mischte  kräftig mit, schliesslich  erzählte mir meine  Freundin dann
später, dass  extra für  die Kids ein Graben  vor der Bühne, abgesichert von der
Security, freigehalten wurde, der nicht von Erwachsenen betreten  werden durfte,
dass nenne ich nunmal Kinderfreundlich :)

Was dann folgte, war  das, was ich  erwartet hatte... eine cleane, durchgeplante
Popshow ohne jedwede Improvisation. Etliche Umkleidephasen und Labereinlagen mit
Spielen für die Kleinsten  zogen den  Event unerträglich in die Länge... Und als
ich noch  dachte nach einer knappen Stunde würde eh alles gelaufen sein, war ich
drauf  und dran  zu resignieren, als  nach  anderthalb  Stunden  immernoch nicht
Schluss war. Junge junge, dass man aus einem Album ein ganzes Konzert, somit aus
Scheisse Bonbon machen kann, war mir nie so klar wie diesmal.

Jede Umkleidephase wurde mit Gekreisch verfolgt, jedes Wort der 5 Weiber von den
Wänsten aufgesogen  wie die Luft  zum atmen... sicher war es für die Kiddies wie
Weihnachten und Ostern zusammen, für Erwachsene mit Sicherheit der schrecklichs-
te Tag ihres Lebens und mit Sicherheit das erste und letzte Konzert, welches sie
gemeinsam mit ihren Sprösslingen besuchten.

Kurz ein paar Worte  zur Show  ansich. Auch  ich, als bekennender NO ANGELS- und
Kommerzpop Hasser, muss gestehen, dass die Show an sich nicht unbedingt schlecht
gemacht war. Die Musik kam nicht vom Band wie man vielleicht vermutet, nein, die
hatten tatsächlich eine richtige Band im Schlepptau. Zudem war die ganze Bühnen-
performance, abgesehen  davon  dass ich  diese Art  von Rumgehampel nicht leiden
kann, durchweg  äusserst  professionell, der (wenn auch offenbar gespielte) Kon-
takt zum Publikum wurde  immer wieder angeheizt, auch  wenn ich innerlich denke,
dass die  da oben  mit einem  "Danke für euer  Geld, Ihr Arschgeigen" hinter der
Stirn auf der Bühne rumzappelten. Einige  Showeinlagen waren aber zu gekünstelt,
so dass sich sogar meine Freundin als bekennender Michael Jackson Fan davon ver-
albert vorkam... so zum  Beispiel Sandy's  (die  Blonde Schnitte...) sogenanntes
Tribute für eine vor kurzem umgekommene R'N'B Sängerin... Das war  weiss Gott zu
viel des Schmalzes... den Kindern hat's gefallen.

Auffallend an anderer Stelle war die Tatsache, dass nur ein geringer Teil ältere
Fans  anwesend  waren... Somit  scheint  bereits  jetzt (glücklicher  Weise) das
Schicksal  dieser "Band" besiegelt, denn diese  Zielgruppe der  1o - 15 jährigen
ändert ihren Musikgeschmack  wie die  Schlüpfer. Ich für meinen  Teil hoffe ganz
tief, dass dieser Wahn bald ein Ende findet und Musik, die mit Herz und Verstand
sowie  handwerklichem  Können und aus  eigener Kraft  heraus  gemacht wurde, die
Herzen und Gehirne der Menschen  zurückerobert. Ich  denke  auch mit Sicherheit,
dass viele von denen, die  heute noch den NO ANGELS hinterherkreischen, in nicht
allzu entfernter Zukunft anderer  Musik fröhnen  werden, sie müssen  nur mit der
Nase dahin gebracht werden...

Egal... zurück zur Horrorshow... Das  ganze Spektakel  fand dann nach fast schon
2 Stunden sein Ende. Einige der  Kiddies begriffen  zwar  nicht, dass  es in der
Regel nur einen Zugabenblock  gibt, aber die meisten  waren doch soweit alle vom
vielen Rumgekreisch, dass es  nicht allzulange  dauerte, bis  wir wieder  an die
frische Luft kamen. Dort fand  natürlich der  Merchandising Wahn  nochmals seine
Hochform wieder, an jeder Ecke wollten einem windige Typen für 1o bis 2o DM noch
die wirklich allerletzten Poster andrehen... Alle diese Kerle glücklich umgehend
trollten wir uns in unser Auto  und fuhren noch zu einer Freundin, die wie meine
Wenigkeit einem ganz anderen  Musikgeschmack fröhnt und dort liessen  wir diesen
abenteuerlichen  Abend bei  ein paar Tassen  leckerem Tee und  den geschmeidigen
Klängen einer Alanis Morissette ausklingen...

Last but not least bleibt mir zu sagen, dass  dies mit Sicherheit  das erste und
letzte Teenie Konzert  war, zu dem ich mich  habe mitnehmen lassen, und wenn ich
mit meiner Ablehnung einen Familienkrach hervorrufen sollte...

.tSCc.                                                                   moondog
--------------------------------------------------------------------------------

UCM 22