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                             "DAS 2. GEBOT" - UNHEILIG
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Ja! Heute öffnen wir wieder die  Klischee-Boutique und sehen mal nach, was so im
Winterschluss zu haben ist... Dank Scy hatte ich das zweifelhafte Vergnügen, mir
oben genannte CD inclusive Bonus-CD reinzuziehen.

Anmerken möchte  ich hierbei, daß dies  bereits das 2. Album des GRAFEN ist, ja,
so nennt sich  der Kopf hinter  UNHEILIG. Tja, und dieser düster drein schauende
kahlgeschorene  Bursche, der  den Contest im  finster gucken  und grollend  tief
singen  gewonnen  haben  dürfte, schickt  sich  an, die Lücke, die Rammstein und
Witt hinterlassen haben (Werkreihe Bayreuth 1 und 2) mit neuem Leben zu füllen.

Die schwarze Szene  scheint hin und her  gerissen, die einen  feiern ihn als die
neue  deutsche Electro-Rock-Hoffnung, die  anderen wenden  sich ob  der knietief
in Klischee's  watenden Optik, Lyrik  und Musik schaudernd ab. Und ich muß zuge-
ben, nach mehrmaligen Hören, Hinhören und  Dahinterhören, bin  ich auch ziemlich
zweigeteilter Meinung. Zuerst mal fix das Tracklisting:

o1 - Eva
o2 - Maschine
o3 - Gib mir mehr
o4 - Sternenschiff
o5 - Vollmond
o6 - Jetzt noch nicht
o7 - Der Mann im Mond
o8 - Schutzengel
o9 - Rache
1o - Mona Lisa
11 - Krieg der Engel
12 - Herzland (instrumental)

Bonus CD "Maschine Maxi"

o1 - Maschine (club edit)
o2 - Maschine (album)
o3 - This Corrosion
o4 - Maschine (Der Graf Remix)
o5 - Schleichfahrt

Ok... Dann browsen wir  uns mal durchs Tracklisting... Gleich zu Anfang haut uns
der Graf mit "Eva" ein ziemlich monströses  hymnisches Gothic-Ding um die Ohren,
gepaart  mit hintergründig  schlüpfrigen, fast  gesprochen vorgetragenen Texten,
Chören im Refrain, ziemlich schlagenden  Elektronik-Parts... Eigentlich ein sehr
beeindruckender Opener und gratwandernd noch nicht ganz im Rammstein-Gewässer...

Diesen Pfad geht er allerdings weiter und  als nächstes kommt ein Stampf-Monster
daher, welches gut  und gerne auf  Rammsteins' "Herzeleid" einen  Platz gefunden
hätte... Das Teil hat unheimlichen  Drive und marschiert ungemein vorwärts, doch
die Lyrics sind doch ein wenig albern, hehe... Mit "Maschine" muss offenbar eine
Sex-Maschine gemeint sein, hüstel...

Nicht ganz  so brausend gehts  weiter mit "Gib mir mehr". Hier  werden verstärkt
rasselnde Gitarren bedient und das Thema der Lyrics dürfte klar sein... Naja...

Mit "Sternenschiff" hingegen kommt  urplötzlich ein  nahezu genialer Song daher!
Völlig aus dem Rahmen fallend fängt der Graf an, melodiös zu werden. Sehr sachte
und sphärische elektronische Klänge inklusive einem klaren Piano paaren sich mit
seicht  vorgetragenen Lyrics, teils  gesprochen und  gesungen. Der Graf verlässt
hier die Röchel-Ecke und zeigt, dass er abgesehen von tief und finster auch fast
schon warme  Töne von sich  geben kann... Ein  ungemein schöner  Song, ein wenig
depressiv  anmutend, gemeinsam bewirkt  von den Texten  und der durch die Klänge
erschaffenen  bedrückenden Atmosphäre... Eigentlich hätte  dieser Song  durchaus
das Zeug gehabt, die Media Control Charts zu knacken...

Nunja, bei "Vollmond" wird  wieder  dreist  im  Rammstein-Gewässer losgeprügelt,
ohne  dabei allerdings  allzusehr peinlich  und plagiatorisch  zu  werden, liegt
sicher daran, daß der Graf  nicht versucht, den  Rammstein-Sänger gar zu sehr zu
kopieren. Ein netter Song mit Drive, sehr gut zum Autofahren geeignet übrigens.

"Jetzt noch nicht" scheint  sich  mehr in  Richtung Witt's  erstem beiden Werken
aus der Werkreihe Bayreuth zu bewegen. Eine ziemlich  wüste Klangorgie, die sich
in den verwendeten Tönen und Stilmitteln allerdings hin und wieder arg vergreift
und dadurch manchmal unfreiwillig komisch wird.

Ganz düster wird  es mit dem "Mann im Mond". Nach  recht stumpfen Metal-Geballer
im 08/15-Stil werden  fast schon Jahrmarkt-Kindergarten-Melodien mit eingefloch-
ten...  tja... und  dann  die  Lyrics... "...nur der Mann im Mond schaut zu, der
Engel wandelt durch die  Nacht, der schwarze Mann ist aufgewacht..."... soll das
ernst  gemeint sein?! Neee, oder? Also  bei aller  Liebe, aber während Rammstein
und Co es gepackt haben, bei solch  merkwürdigen Texten hintergründig morbide zu
sein, scheint der Graf hier Kindergarten-Goth-Metal zu machen... Humpf...

"Schutzengel" schlägt wieder etwas ruhigere Töne an, mit Piano-Klängen und nicht
so düster... Allerdings fehlt  irgendwas... während der  Refrain recht eingängig
ist, wirken die anderen Passagen etwas langweilig...

Tja... und mit "Rache" kommt er  doch nochmal  stark in Form, ein sehr düsterer,
ruhiger, morbider Song, nicht  ganz so  hitverdächtig  wie  "Sternenschiff" aber
trotzdem ähnlich gut, vor allem wegen dem nahezu hymnischen Refrain. Dieser Song
hinterlässt nochmal ein wenig Gänsehaut und eine ziemlich drückende Stimmung...
Schön... Ohne  Zweifel neben "Sternenschiff" zu  den besten  Songs auf dem Album
gehörend...

"Mona Lisa" hingegen marschiert wieder ziemlich straight vorwärts, obwohl dieser
Song Anleihen bei  Witt's/Heppner's "Flut" zu haben scheint, zumindest klanglich
in den Strophen. Ansonsten aber nicht übel, vor allem die Idee woher das Lächeln
der Mona Lisa kommt, grins...

Mit dem  vorletzten  Song geht der Graf fast  schon in  Industrial-Metal-Gefilde
über, verzerrte  Stimme, böse hämmernde Beats, fast schon Chor-mässig gebrüllter
Refrain... Nicht schlecht, bleibt  aber wegen  der zerfahren wirkenden Rhymthmik
doch ein wenig zurück.

"Herzland" als Ausklang erscheint als elektronisch  gehaltenes Instrumental, das
auch gut auf einem späteren And One Album untergekommen wäre, ehem. Das soll nun
nicht unbedingt negativ aufgefasst werden, soll  aber den Stilbruch umschreiben,
den der Graf in seinen letzten Zügen betreibt.

Tjo...  12 Songs später  und kein wenig  weiser. Wie ihr rauslesen  könnt, haben
mich einige Songs  fasziniert und  andere zum  gähnen und  grinsen gebracht. Der
Graf turnt sehr rücksichtslos durch  die verschiedenen  Stilrichtungen, versucht
sich im  zusammenschmieden seines  eigenen Stils und scheitert letztlich doch an
den zum Vergleich  herangezogenen, weil offenbar  Pate gestandenen, Bands. Wo es
Rammstein vermocht haben, die Leute und Lager zu spalten, mit ihren morbiden und
bösen  Texten, vermag der  Graf lediglich  auf Klischee's  herumzudemmeln. Seine
Stärken liegen meines  Erachtens in den  wirklich teilweise  hymnisch anmutenden
und schön intonierten langsamen Songs... Mehr davon  bitte... diabolisch Gucken,
klischee-beladene  Texte  raunen und  röcheln  und  ein wenig  Metal-Geschrammel
reichen halt nicht immer, um einen neuen Hype zu kreieren.

Noch ein Kommentar zur Maschine-Maxi...

Die Club-Edit erinnert stark  an oldschoolige  And-One-Stücke, hat  unheimlichen
Drive und könnte mit seinen Texten fast schon in  eine Reihe mit And Ones coolen
Klassiker "Spontanverkehr" gestellt werden... Ohne  Zweifel kann dieser Song die
üblichen Verdächtigen zum Tanz der Breitbeinigen auf den Dancefloor zerren ;)

Zur Album-Version lass ich mich nicht aus...

Mit "This Corrosion" lehnt sich der Graf  weit, seeeeehr  weit aus  dem Fenster,
und verwurstet den Sisters Klassiker  ohne dabei  auf die Fresse  zu fallen! Der
Song marschiert schwer nach vorn und die leichten elektronischen Anleihen stehen
ihm gut, und... der Graf vermag es stimmlich in Mr. Eldritch's Spuren zu wandeln
ohne dabei hinzufliegen... Sehr cool, vor allem  da dieser  Monstersong über die
8 Minuten aus den Boxen peitscht.

Der "Graf" mix von der Maschine ist garniert mit heftig  schrammelnden Gitarren,
treibenden Beats und ziemlich netten Harmonien und Flächen im Hintergrund, kommt
aber nicht an den ersten Mix heran, trotzdem nett.

"Schleichfahrt" beginnt  mit  weiblichen  Lyrics, gesprochen, die  fast schon an
irgendwelchen Chartsmüll zu erinnern drohen. Sehr  elektronisches Gewand, mit im
Refrain druchbrechenden Future-Pop-Anleihen (?!)... dennoch sehr treibend in den
Strophen mit jeder Menge Gitarren gwürzt. Hmmm. Sehr  zwiespältige Sache... geht
schon schön ab, wenn es nur nich so hart am Lächerlichen schrammen würde... :/

Ok... Das waren  meine  Worte dazu... Wie gesagt, einige  wahrhaftige Songperlen
paaren sich mit Klischeeüberladenen Liedern, bei denen man nicht weiß, wie ernst
der Graf  eigentlich  zu nehmen ist. Das er  was drauf  hat und ziemlich fix die
deutschen  schwarzen Musik-Tempel  aufmischen  wird, dürfte  außer Frage stehen,
doch sollte er sich auf das  besinnen, was  er kann, ohne zwanghaft zu versuchen
jemand anderen zu kopieren, denn an  Rammstein kommt man  einfach schlecht heran
und es wirkt eher lächerlich in deren Stapfen zu wandeln...
Bildet euch am besten selbst ein Urteil!

_.tSCc.__________________________________________________________moondog_o5/2k3_

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