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ALPHAVILLE - 3o.o8.o3
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Als ich irgendwann im Sommer mal wieder in der Tageszeitung herumschmökerte,
blieb ich bei den Konzertterminen und Veranstaltungstips hängen und plötzlich,
was sahen meine entzündeten Augen?! Alphaville! Hier in der Nähe! Na das wäre
doch mal wieder eine nette Ablenkung vom Alltag, die alten Hasen wieder auf der
Bühne rumtorkeln zu sehen und vergangenen Zeiten zu fröhnen.
Das letzte Alphaville-Konzert lag schließlich schon knapp 4 Jahre zurück und
stand insgesamt gesehen recht vernünftig in unserer Erinnerung, sicher auch
wegen der seinerzeit engagierten Supportband Silent Waters.
Ok, auf nach Jena, Karten kaufen. Dort kam die erste Überraschung, ein Open Air?
Na gut, wir ham' noch Sommer... allerdings steht ja was von Kulturhaus drauf,
also vielleicht doch drinnen?! Und im Rahmen einer Landeswelle Thüringen
Radioshow?! Argl... allein dieser Nachsatz ließ uns Böses ahnen.
Und so kam es wie es kommen mußte.
Wir zwängten uns am entsprechenden Abend in zweckmäßige Kleidung (heißt Innen-
raum-Konzert) und machten uns auf den Weg nach Unterwellenborn, wo immer dieses
Kaff auch war...
Da wir schon spät dran waren, kam uns die Fahrt vor wie eine Ewigkeit, der
Zeiger rückte vor und irgendwann gegen 21:oo waren wir schließlich am Ort des
Geschehens. Wir fuhren die Hauptstraße entlang, keine Menschenseele, keine Hin-
weisschilder, nichts, außer einem Ortsausgangsschild... wieder zurück... ein An-
flug von Unruhe machte sich breit, nachdem wir in dem Ort auf und ab gefahren
waren. Letztlich entschieden wir uns, glücklicherweise, doch mal die Nebengassen
zu erkunden und siehe da, das sah so aus wie ein kleines Volksfest, was da
fernab an einem Feldrand stattfand.
Auto abgestellt und... kacke... was für eine Scheißkälte! Wir stolperten über
den Acker zum Einlaß und hindurch und fanden uns auf einem sehr stark über-
dimensionierten abgesperrten Gelände inklusive großer Bühne wieder, jede Menge
Bierbuden (Frankenbräu... wer trinkt denn sowas?!) und ein paar Fresshütten mit
Worscht und Brätel.
Natürlich war wieder alles anwesend, was laufen und kriechen konnte, aber ver-
mutlich kaum wegen Alphaville, sondern wegen der Landeswelle Veranstaltung, die
sich zu einem Horror-Trip mausern sollte, denn die nächsten Stunden (!) wurden
wir mit grottenschlechten Cover-Bands mit solch einfältigen Namen wie "Flash For
Dream" bombardiert, die allesamt unterstes Musikschulen-Niveau hatten und wild
durch alle Jahrzehnte irgendwelche vermeintlichen Hits verwursteten.
Zwischendurch kamen die peinlichen Moderatoren zum Zuge, die versuchten, daß
Publikum mit allerlei dummen Späßen zu nerven. Also Jump Parties sind ja schon
sehr eigen, aber das ist wohl allerletzte Sorte hier.
Absoluter Tiefpunkt war der Auftritt von Deutschlands ältester "Boygroup", zwei
dumpfe Kerle, die versucht waren, Mallorca-Feeling zu verbreiten, mit dummen
Sprüchen, Oberkörper frei und kratzen am Sack, und der entsprechenden Musik.
Diesen beiden Fischköppen war dabei nichts zu peinlich und es ist mir ein Rätsel
warum das Publikum dabei auch noch johlen konnte. Ich hoffe die beiden Kerls
haben sich bei den frostigen Außentemperaturen von knapp über 1o Grad eine satte
Lungenentzündung geholt, und liegen damit in ihrem Altenheim für eine Weile auf
der Fresse, damit diese Welt von einer Plage weniger gegeißelt wird.
Irgendwann im Laufe des Abends wurden wir natürlich unruhig, zwar wurde immer
wieder was von Alphaville gelabert, aber es folgte lediglich eine neue Schrott-
band... So versuchten wir uns mit Wein und Kaffee etwas Körpertemperatur hinzu-
zugewinnen...
Und dann, endlich... 23:55 (!!!!) war es so weit, der Grund unserer Reise durch
irgendwelche abgewrackten Thüringer Dörfer, kam auf die Bühne und oh Graus,
Marian Gold ist, mit Verlaub, fett geworden!
Er fackelte nicht lange herum und begann einen Querschnitt seiner besten und
auch einigen neuen Songs herunterzuarbeiten. Natürlich waren "Forever Young",
"Big in Japan" und "Sounds like a melody" mit dabei, neben einem recht ruhigen
Stück vom neuen Album, welches da heißt "Carry on your flagg".
Interessanter Weise kam der Sound ingesamt recht wuchtig und modern herüber und
die Jungs auf der Bühne machten richtig Druck, der zwei Funker Vogt Jünger dazu
bewegte, mit der Security ums Stagediven zu feilschen... ich frage mich nur, wo
die hinspringen wollten, in den leeren Graben?!
Insgesamt wußte der sehr modern und kraftvoll herübergebrachte Sound zu über-
zeugen und die Songs kamen insgesamt in einem modernisierten Gewand daher,
allerdings war Marian's herumgestolper auf der Bühne nicht so der Bringer, da er
sich in den Posen gestandener Electro-Größen wie VNV Nation oder Apoptygma
Berzerk versuchte, was natürlich irgendwie nicht so glaubwürdig rüberkam.
Und dann, nach wenn ich mich nicht verzählt habe, 9 Songs inklusive Zugabe und
etwa einer Stunde Spielzeit war schon wieder Schluß...
Neee, oder?! Das Publikum war zwar lange am Flughafen schreien, aber irgendwie
wurde man nicht mehr erhört und das Cover-Massaker ging in die 2. Runde...
Grund genug für uns unsere Zelte abzubrechen und das Weite zu suchen, uns
fragend, wie lange die Jungs noch durch die Lande tingeln wollen und auf irgend-
welchen Hinterhöfen ihre Seele zu Markte tragen wollen...
Kurz, Sound toll, Songauswahl ok, Marian's Auftritt fast schon mitleiderregend,
ganzes Drumherum beschissen, einfach ein nicht unbedingt notwendiges Event...
_________________________________________________________________moondog_o9/2k3_
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