home UCM25

-----

.tHE .sIRIUS .cYBERNETICS .cORPORATION


UCM 25
--------------------------------------------------------------------------------
                               ALPHAVILLE - 3o.o8.o3
--------------------------------------------------------------------------------

Als ich  irgendwann im  Sommer mal  wieder in  der Tageszeitung herumschmökerte,
blieb ich bei  den Konzertterminen und  Veranstaltungstips hängen und plötzlich,
was sahen  meine entzündeten Augen?! Alphaville! Hier  in der  Nähe! Na das wäre
doch mal wieder eine  nette Ablenkung vom Alltag, die alten Hasen wieder auf der
Bühne rumtorkeln zu sehen und vergangenen Zeiten zu fröhnen.
Das  letzte Alphaville-Konzert  lag schließlich  schon knapp  4 Jahre zurück und
stand  insgesamt  gesehen recht vernünftig  in unserer  Erinnerung, sicher  auch
wegen der seinerzeit engagierten Supportband Silent Waters.

Ok, auf nach Jena, Karten kaufen. Dort kam die erste Überraschung, ein Open Air?
Na gut, wir  ham' noch Sommer... allerdings  steht ja  was von Kulturhaus drauf,
also  vielleicht  doch  drinnen?! Und  im  Rahmen  einer  Landeswelle  Thüringen
Radioshow?! Argl... allein dieser Nachsatz ließ uns Böses ahnen.
Und so kam es wie es kommen mußte.
Wir zwängten  uns am entsprechenden  Abend in zweckmäßige Kleidung (heißt Innen-
raum-Konzert) und machten  uns auf den Weg nach Unterwellenborn, wo immer dieses
Kaff auch war...

Da wir  schon  spät dran waren, kam  uns die Fahrt  vor wie  eine  Ewigkeit, der
Zeiger rückte vor  und irgendwann  gegen 21:oo  waren wir schließlich am Ort des
Geschehens. Wir  fuhren die Hauptstraße entlang, keine Menschenseele, keine Hin-
weisschilder, nichts, außer einem Ortsausgangsschild... wieder zurück... ein An-
flug von Unruhe  machte sich  breit, nachdem wir  in dem Ort auf und ab gefahren
waren. Letztlich entschieden wir uns, glücklicherweise, doch mal die Nebengassen
zu erkunden  und siehe  da, das  sah so  aus wie  ein kleines  Volksfest, was da
fernab an einem Feldrand stattfand.
Auto abgestellt  und... kacke... was für  eine Scheißkälte! Wir  stolperten über
den Acker  zum Einlaß und  hindurch und  fanden uns auf  einem sehr  stark über-
dimensionierten  abgesperrten Gelände  inklusive großer Bühne wieder, jede Menge
Bierbuden (Frankenbräu... wer trinkt denn sowas?!) und  ein paar Fresshütten mit
Worscht und Brätel.

Natürlich war  wieder alles anwesend, was  laufen und kriechen konnte, aber ver-
mutlich kaum  wegen Alphaville, sondern wegen der Landeswelle Veranstaltung, die
sich zu einem  Horror-Trip mausern  sollte, denn die nächsten Stunden (!) wurden
wir mit grottenschlechten Cover-Bands mit solch einfältigen Namen wie "Flash For
Dream" bombardiert, die  allesamt unterstes  Musikschulen-Niveau hatten und wild
durch alle Jahrzehnte irgendwelche vermeintlichen Hits verwursteten.
Zwischendurch  kamen die peinlichen  Moderatoren zum  Zuge, die  versuchten, daß
Publikum mit allerlei dummen  Späßen zu nerven. Also  Jump Parties sind ja schon
sehr eigen, aber das ist wohl allerletzte Sorte hier.

Absoluter Tiefpunkt  war der Auftritt von Deutschlands ältester "Boygroup", zwei
dumpfe  Kerle, die  versucht waren, Mallorca-Feeling  zu verbreiten, mit  dummen
Sprüchen, Oberkörper frei und kratzen am Sack, und der entsprechenden Musik.
Diesen beiden Fischköppen war dabei nichts zu peinlich und es ist mir ein Rätsel
warum das  Publikum dabei  auch noch  johlen  konnte. Ich hoffe die beiden Kerls
haben sich bei den frostigen Außentemperaturen von knapp über 1o Grad eine satte
Lungenentzündung geholt, und  liegen damit in ihrem Altenheim für eine Weile auf
der Fresse, damit diese Welt von einer Plage weniger gegeißelt wird.

Irgendwann im  Laufe des Abends wurden  wir natürlich unruhig, zwar  wurde immer
wieder was von Alphaville  gelabert, aber es folgte lediglich eine neue Schrott-
band... So versuchten  wir uns mit Wein und Kaffee etwas Körpertemperatur hinzu-
zugewinnen...

Und dann, endlich... 23:55 (!!!!) war  es so weit, der Grund unserer Reise durch
irgendwelche  abgewrackten  Thüringer Dörfer, kam  auf die  Bühne und  oh Graus,
Marian Gold ist, mit Verlaub, fett geworden!
Er fackelte  nicht  lange herum und  begann einen  Querschnitt seiner besten und
auch einigen  neuen Songs  herunterzuarbeiten. Natürlich  waren "Forever Young",
"Big in Japan" und "Sounds like a melody" mit dabei, neben  einem  recht ruhigen
Stück vom neuen Album, welches da heißt "Carry on your flagg".
Interessanter Weise  kam der Sound ingesamt recht wuchtig und modern herüber und
die Jungs auf der  Bühne machten richtig Druck, der zwei Funker Vogt Jünger dazu
bewegte, mit der  Security ums Stagediven zu feilschen... ich frage mich nur, wo
die hinspringen wollten, in den leeren Graben?!

Insgesamt wußte  der sehr  modern und  kraftvoll herübergebrachte Sound zu über-
zeugen  und  die  Songs  kamen insgesamt in  einem modernisierten  Gewand daher,
allerdings war Marian's herumgestolper auf der Bühne nicht so der Bringer, da er
sich in  den  Posen gestandener  Electro-Größen  wie VNV Nation  oder  Apoptygma
Berzerk versuchte, was natürlich irgendwie nicht so glaubwürdig rüberkam.
Und dann, nach  wenn ich mich nicht  verzählt habe, 9 Songs inklusive Zugabe und
etwa einer Stunde Spielzeit war schon wieder Schluß...

Neee, oder?! Das Publikum  war zwar lange am  Flughafen schreien, aber irgendwie
wurde man nicht mehr erhört und das Cover-Massaker ging in die 2. Runde...
Grund  genug  für uns  unsere Zelte  abzubrechen  und das  Weite  zu suchen, uns
fragend, wie lange die Jungs noch durch die Lande tingeln wollen und auf irgend-
welchen Hinterhöfen ihre Seele zu Markte tragen wollen...

Kurz, Sound toll, Songauswahl ok, Marian's  Auftritt fast schon mitleiderregend,
ganzes Drumherum beschissen, einfach ein nicht unbedingt notwendiges Event...

_________________________________________________________________moondog_o9/2k3_

UCM 25