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Brendan Halpin - "Schönes Leben noch"
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2oo2, Original Titel "It takes a Worried Man"
Weltbild-Lizenzausgabe, ISBN 3-8289-7195-4
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Ok, eine neue Runde in der Literaturecke. Da mich zum zweiten Mal dieses Jahr
die Grippe dahingerafft hat, bin ich krampfhaft versucht, mich der Zerstreuung
im Bett hinzugeben, was mangels Literatur schwer fällt. Zum Computern nicht so
den Bock, die ganzen Eumel im Fernseher will man sich auch nicht reinziehen und
wenn es einem nicht so geht, bleibt da nicht viel Auswahl.
Schließlich gibt mir meine Freundin dieses Buch, welches sie sich bei jemandem
ausgeliehen hat und innerhalb recht kurzer Zeit durchgelesen hat, hmm, muss wohl
was dran sein, da sie an den letzten Romanen länger zu knabbern hatte.
Es ist eine Art Erfahrungsbericht eines jungen Mannes, dessen Frau die Diagnose
eines metastasierenden Brustkrebses gestellt bekommt, und somit beschreibt das
Buch den Leidensweg seiner Frau und vor allem die Gedankengänge des Mannes und
seinen Umgang mit der neuen Situation. Dazu sollte ich erwähnen, daß Brendan und
seine Frau Kirsten jeweils erst Anfang 3o sind...
Gut, ich muß ehrlich sagen, ich bin kein Fan von solchen Erfahrungsberichten und
schon gar nicht von Gefühlsduselei. Bücher in denen sich Menschen mit ihren oder
anderer Krankheiten auseinandersetzen waren mir schon immer suspekt, Ratgeber
nie mein Ding und Erfahrungsberichte ebenso, das erinnert mich alles irgendwie
ganz penetrant an unsere Fernsehtränendrüsenmücke, eh... Fliege, den guten Fern-
sehpfarrer der mit Dackelwelpenbetroffenheitsblick irgendwelche gegeisselten
Menschen durch seine Talkshow führt und mit seinem Gottpalaver denkt, Probleme
lösen zu können.
Dennoch, anderen Lesestoff habe ich nicht mehr zur Hand, also schlage ich zu und
bewältige die 26o Seiten des Buches in nicht mal 3 Tagen. Meine schlimmsten Vor-
ahnungen erfüllen sich nicht, nein, daß Buch ist, abgesehen vom realen und mit
nichten sehr tragischen Hintergrund durchaus unterhaltsam. Das liegt vor allem
daran, daß der Author seine Eindrücke und sein Gefühlsleben nicht tränenerhei-
schend und trinig darniederschreibt, sondern in einem fast schon zu gewöhnlichen
Plauderton zum Besten gibt, oder was heißt zum Besten geben, er ist einfach nur
ehrlich und strengt sich offenbar auch nicht an, irgendwelche Passagen schön zu
reden oder möglichst depressiv aussehenzulassen.
Versteht mich nicht falsch, trotzdem oder vielleicht gerade weil er freiweg von
der Leber schreibt, sich Gedanken über seine und die Zukunft seiner Familie und
vor allem über seine vermeintlichen Unzulänglichkeiten im Umgang mit seiner tod-
kranken Frau macht, erhält das Buch einen wirklich sehr realen Touch. Man benö-
tigt keine Fachbücher oder Hirnwindungen extra um irgendwelche verworrenen Zu-
stände zuverstehen, mit jedem niedergeschriebenen Wort des Authors versteht man
genau das, was er wiederzugeben versucht, seine Ängste und Hoffnungen, seine Ge-
fühle und Gedanken und das mit beeindruckender Ehrlichkeit. Offensichtlich hat
das Schreiben dieses Buches ihm geholfen, mit der Krankheit seiner Frau und sich
fertig zu werden, ins Reine zu kommen.
Für den Leser bietet es eine regelrechte Achterbahnfahrt der Gefühle, himmel-
hochjauchzend und im nächsten Moment zu Tode betrübt, machen die vielen kleinen
Kapitel den Weg der kleinen Familie um Brendan, seine Frau Kirsten und Tochter
Rowen für den interessierten Leser begreifbar und regt vor allem auch zum Nach-
denken an... Dieses Buch sei allen ans Herz gelegt, die eine hypochondrische
Ader haben oder wegen jedem Furz zum Arzt rennen. Die eigenen Krankheiten er-
scheinen einem, nachdem man dieses Buch gelesen hat, so minderwertig und man
wundert sich, wie sehr man am jammern ist, wenn man von der Grippe niederge-
knüppelt wurde, während hier im Buch ein Kampf auf Leben und Tod und Überleben
einer Familie beschrieben wird. Im Vergleich mit solch todkranken Menschen sind
wir doch nur gewöhnliche Flaschen...
Für mich selbst ist das Buch ein weiterer Stein im Mosaik, da ich beruflich
schon oft mit krebskranken, chemotherapierten und zuletzt dennoch sterbenden
Menschen zu tun hatte, die jedoch nahezu alle einiges älter als Brendans Frau
waren. Ich für meinen Teil kannte daher schon die Hoffnungen und Ängste dieser
Menschen und Angehörigen, doch das recht junge Alter der Personen im Buch gibt
mir noch einen neuen Aspekt wider und ich verstehe die Dinge, von denen der
Author schreibt nur zu gut.
Wie das Buch ausgeht, möchte ich hier natürlich nicht verraten, um den Interes-
sierten noch ein wenig mehr Anreiz zu geben, es tatsächlich mal zu lesen, Ihr
müßt nur über Euren Schatten springen und es wagen, und glaubt mir, es macht
Euch um einige Gesichtspunkte reicher und ist manchmal spannender als jeder
King-Roman...
So long...
moondog - o2/o4
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