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Rock am Ring - Pfingsten 2oo3
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75.ooo verkaufte Festivalkarten, ausgebuchte Zeltplätze, sommerliches Wetter und
ein Band-Lineup, der dem des grössten Rockfestivals Europas gerecht wird. Man
muss es einfach erlebt haben, wenn der Nürburgring in der Eifel tobt. Ruhe ist
das letzte, was man hier finden wird. Tagsüber lärmen die Livemusiker, nachts
dröhnt es aus den Diskozelten und von mitgebrachten Stereoanlagen. Strom für
diese und die essentiellen Kühlschränke liefern private Generatoren, die Tag und
Nacht laufen. Die Ringerfahrenen bringen ihren gesamten Hausrat mit und bauen
ihr Lager in der Nordschleife auf.
Aber auch Ringneulinge sind mit Campingkocher, Dosenravioli und Toastbrot
bestens für das lange Wochenende gerüstet. Bier wird am besten in Plastik-
flaschen und Tetrapacks umgefüllt. So sorgt man am besten gegen die teuren
Preise auf dem Festivalgelände für Speisen und Getränke - die lokalen Händler
machen hier das Geschäft des Jahres.
Wenn keine Musik läuft, oder man sie nicht mehr hören mag, kann man in den Buden
nach Souvenirs suchen, oder sich beim Bungeejumping den letzten Kick holen
(Eventbereich heisst das).
Am Freitag sorgten Mana, die Cardigans, Lifehouse, Reamonn, Billy Corgans neue
Band Zwan und die nur im Suff erträglichen Iron Maiden für gute Einstimmung.
Silverchairs Daniel Johnes rockte wie in alten Zeiten - von kranken Knochen
keine Spur. Eine Flasche Hochprozentiges wurde in der Band rumgereicht, was die
Australier aber eher noch zur Hochform auflaufen ließ.
Abwechslungsreichster Tag war sicher der Samstag, an dem für jeden Geschmack
etwas dabei war. Für die Schrabbel- und Kopfschüttelfraktion spielten
Clawfinger und Apocalyptica ("We are fucking classical guys!"). Erdiger Rock kam
von Audioslave (Frontmann Chris Cornell gab früher bei Soundgarden den Ton an).
Eine gute Mischung aus Gitarrenriffs und elfengleichen Vocals von Amy Lee boten
Evanescence, dazu noch ein zweieinhalb Minuten kurzes Highlight: "Zero" von den
Smashing Pumpkins gecovert. Zu schön um wahr zu sein.
Zum in die Sonne setzen und Entspannen gab es auf der Alternastage unter anderem
Tomte aus Hamburg und die Stereophonics.
Am späten Abend auf der selben Stelle spielte ein alter Bekannter, Depeche Mode
Sänger Dave Gahan, Songs vom neuen Soloalbum. Dem merkt man den alten Hasen im
Showgeschäft an. Und so spielte Dave mit nacktem Oberkörper wie in vergangenen
Tagen "Walking In My Shoes", "Personal Jesus", "Never Let Me Down Again", "Enjoy
The Silence" mit insgesamt 2 Zugaben und allen Sympathien des Abends.
Trotzdem setzte eine Band über eine Stunde nach Mitternacht noch einen drauf.
Placebo sprangen für die abgesagten Linkin Park ein und spielten somit nach
einer Show auf dem -Ping Pong Festival- in Holland ihren zweiten Auftritt an
diesem Tag. Und sie spielten ihn ganz groß. Jeder der Hits hatte seinen eigenen
Charackter und jeder schlug voll ein, egal ob "Pure Morning", "Every You Every
Me", "Black Eyed", "Special K", "The Bitter End" usw.
Was für ein Tag! Halb vier fällt man dankbar in kurzen Schlaf.
Am Sonntag dann gab es nur ein Highlight. Disturbed, Deftones und Queens Of The
Stone Age halfen eigentlich nur über das Warten.
Marilyn Manson setzte mal wieder Zeichen heftiger Provokation, spielte von einem
meterhohen Pult mit den Massen, zeitweise als Diktator, zeitweise als Ober-
lehrer. Unterstützt wurde er von zwei "(M)obscene" Tänzerinnen, die in Gummi-
genitalien gekleidet Geschmacksgrenzen verschoben. Unglaublich.
Alles wartete auf St. Anger Day - Metallica. Der riesige Platz vor der Center-
stage war voll. Drei Videoleinwände sorgten dafür, daß auch die letzten Reihen
noch etwas sehen konnten. Gut zu hören waren die Jungs um James Hetfield alle-
mal. Und so spielten sie zwei Stunden wenige neue ("St. Anger" eben) und viele
alte Lieder ("Nothing Else Matters", "Enter Sandman", "Hero Of The Day"...), bei
denen immer kräftig mitgegröhlt wurde. Zum Schluß gabs natürlich eine Feuershow,
die Masse tobte und alle waren zufrieden.
Ob man mit diesen Eindrücken ins Bett kroch, nach Hause fuhr oder sich noch Moby
als Absacker antat - ein unvergessliches Pfingstfestival war der Rock am Ring
2oo3 allemal.
Thomas
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