.tHE .sIRIUS .cYBERNETICS .cORPORATION
|
|
--------------------------------------------------------------------------------
...machs wie deine Brüder
oder: warum München eine Hure ist
oder: laßt mich endlich hier raus
--------------------------------------------------------------------------------
Es ist ja nun schon lange kein Geheimnis mehr, daß ich in München gelandet bin,
der Perle des Orients, der nördlichsten Stadt Italiens und der Weltstadt mit
Herz, in der ab Elf abends eine Schweineanstrengung notwendig ist, um in die
Vorstädte und den Speckgürtel zu kommen, ohne ein Heidengeld für Taxen ausgeben
zu müssen... aber da habe ich ja an anderer Stelle bereits ausführlich berichtet
- nun, es ist nicht besser geworden, aber das paßt jetzt nicht hierher.
Ich habe immer Vorbehalte gegenüber Bayern im Allgemeinen und München im
Besonderen gehabt; Die Bayern kamen mir immer extrem verschlossen und unfreund-
lich, und die Münchner noch dazu als sehr hochnäsig und beleidigend vor, eine
Meinung, die ich aus Stimmungsbildern von bereits einmal in München gewesener
Leute und dem im deutschen Fernsehen postulierten Zustand im Süden der Republik
abgeleitet habe.
München insbesondere ist ja eigentlich nur noch von den Leuten bevölkert, die
mal gehört haben, daß München toll ist, so eine Art Selbstläufer, eine Luftblase
der Erwartungen. Echte Münchner findet man in den Jobs und den Stadtteilen, in
denen Leute wie du und ich rumlaufen, wobei der durchschnittliche "Münchner"
entweder Türke, Jugoslawe oder mit sich mühsam antrainiertem gekünsteltem
Pseudobayerisch sprechender Restdeutscher ist. Ureinwohner, also waschechte
Oberbayern findet man selten, sie trauen sich kaum mehr auf die Straße, seit
dort die "neuen" Münchner in Erwartung des tollen Jobs, der tollen Wohnung, des
baldigen Reichtums, der prima Kontakte und den exzellenten Verbindungen in die
Regierungskreise stolz und öffentlich hergezeigen, was die Banken in Erwartung
der Kreditbedienung zu finanzieren bereit waren.
Der Vollständigkeit halber: Die Vorbehalte beeinflussende Personen waren unter
anderem auch Franz-Josef-Strauß, der Isar-König und Möchtegern-Regent sowie
Gevatter Kalkleiste, Eddi Stoiber. Daß beide bei dem Versuch, das bayerische
Wesen zu exportieren, an dem die Republik durch die Eroberung der jeweiligen
Hauptstädte genesen sollte, kläglich gescheitert sind, ist vielleicht auch
besser so. In München hat sich durch die geschickte Konzentrationspolitik von
Strauß tatsächlich eine gehörige Menge Kapital und Verwaltung angesammelt, und
das zieht naturgemäß Arbeit an, die wiederum Kapital erzeugt, was wiederum alle
toll finden, was sie ihren Kumpels erzählen, die das in der Welt herumposaunen.
Der Rest steht oben.
Soweit stimmt die Theorie. In München wird allerdings lediglich über das Kapital
geredet und in erster Linie prima Lizenzverträge und Rechteabtretungen etc. mit
Luft abgedealt, im Gegensatz wie zum Beispiel in London oder Frankfurt, wo das
Geld tatsächlich verdient und umgeschlagen wird. München ist insofern eine
riesige Luftblase aus Lifestyle und Protzerei, die aufzupumpen und am Leben zu
halten ganz schön teuer ist.
Da mich der Lifestyle in München als Gegenwert für das Renomee des Wohnortes
noch nie interessiert hat - ich finde den Lifestyle z.B. in Querfurt oder
Münster erheblich ehrlicher und erstrebenswerter - kann ich die Sache gegeben-
falls ein wenig objektiv betrachten, ich bin ja schließlich schon ein paar
Jährchen hier.
Man prostituiert sich dort tatsächlich insofern, als daß man dieser Stadt seinen
Arbeitseinsatz und die meiste seiner Zeit verkauft und dafür jede Menge Geld,
allerdings noch mehr Erwartungen an ein bestimmtes Umfeld und den berühmten
Lifestyle erhält. Und wo Geld da ist, kann ruhig ein Kaffee 3 Euro kosten, und
eine Semmel 70 Cent. Man solls nicht glauben, München ist Scheiße-Teuer. Im
Vergleich zu anderen Lebenshaltungskosten wird der absolute Geldvorteil dafür,
daß man sich prostituiert, von den Kosten aufgefressen - Preise, die man ver-
langt, weil in München ja das Kapital erwartet wird. Erkennen Sie die Spirale?
Prostitution ist desweiteren ein schönes Beispiel, um sich die Wirkung der
Münchner Luftblase zu verdeutlichen. Ein Mann geht zu einer Prostituierten, in
erster Linie um seinen Trieb zu befriedigen, aber auch, um sich mit ihr zu
schmücken, um sich beachtet und wichtig, ganz Mann und ernst genommen zu werden,
gebraucht zu werden, wichtig zu sein, um damit gegebenenfalls Defizite in der
Selbstachtung oder dem Sozialverhalten zu kompensieren. Sie läßt mich begehrens-
werter erscheinen, als ich wirklich bin, als wenn ich mir sie nicht leisten
kann.
Genauso finde ich es, wenn man stolz behauptet, man wohne jetzt in München,
oder habe in München gelebt. In dieser Aussage schwingt oft ein Unterton mit,
der die Überlegenheit des Sprechers suggeriert, ist mir oft schon aufgefallen.
Die gleiche Wirkung entfaltet sich nonverbal, wenn ein nach München emigrierter
Mensch plötzlich in seiner Heimatstadt mit einem Auto mit Münchner Kennzeichen
auftaucht. Der hat's geschafft, der hat die Welt gesehen, der ist bestimmt
reich, weil in München ja alle reich sind.
Ursprünglich galt diese Aussage zunächst für London, dort ist hingegen die
Diskrepanz zwischen Erwartung und schönem Schein für den Touristen am Tage und
knallharter Businesswelt am Abend sowie Gestank und Müll auf den Straßen und
Hinterhöfen bei Nacht noch viel heftiger und nicht so durch Polizei und
deutschen Ordnungssinn glattgebügelt. Habt ihr schon mal London länger wie einen
Tag besucht und auch am Geschäftsleben teilgenommen?
Die Art, wie man miteinander umgeht, resultiert genauso aus den Erwartungen daß
hier der Bär steppt und Geld gemacht wird. Es ist in der Welt jedoch ein
wirkliches Aushängeschild, wenn in einem Lebenslauf steht: In London gearbeitet.
Derjenige weiß auch, mit welchen Mitteln und unter Zuhilfenahme welcher harter
Bandagen die Knete tatsächlich verdient, und nicht nur über sie geredet wird.
Der Unterschied zwischen den beiden Huren ist: München ist eine Provinzstadt,
die an ihrer bierseligen Art und folkloristischer Verkleidung festhalten möchte.
Schade, aber das beschränkt sie und die darin wohnenden Münchner und auch die
Bayern zu Provinzlern in der Welt, und dieser Unmut, nicht in der Oberliga mit-
zuspielen, obgleich man das gerne möchte, macht sie hochnäsig und beleidigend.
Dazu sind sie noch extrem verschlossen und unfreundlich, weil sie zufälliger-
weise halt auch gleichzeitig Bayern sind, siehe oben.
So schließt sich der Kreis und es ist logisch, warum München so ist, wie es ist,
und warum ich langsam dort weg muß, bevor ich wahnsinnig oder BMW-Fahrer werde.
Aber: Jedermann sagt, München wäre ja nicht Bayern. Das stimmt. Im restlichen
Bayern fährt bereits ab Acht abends kein öffentlicher Nahverkehr mehr.
fXl of .tnb.
--------------------------------------------------------------------------------
|
|
|