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UCM 25
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                              NEU IM UCM TEST-LABOR

                                   VW POLO 1.2
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Hallo zusammen, heute geht es mal an richtig harte Ware.

Da wir uns neue  Dienstfahrzeuge zugelegt haben, will ich doch  gleich mal einen
kleinen  Praxis-Test durchführen, da die  üblichen Tests  in Automobil-Zeitungen
meist am Käufer vorbei testen.

Also, seit  August diesen  Jahres fahre auch ich das neueste Polo Modell von VW,
nachdem ich  über die letzten  Jahre die  letzten  3 Polo Vorgänger-Generationen
mitgenommen habe. Von jeher war ich nicht unbedingt ein VW Fan aber jeder dieser
kleinen Karren hatte das eine oder andere, weshalb man ihn mögen konnte, so auch
unser neuester  Vertreter. Wir haben 2  verschiedene Typen  zur Auswahl, jeweils
motorisiert  mit dem neuen 1.2 Liter Dreizylinder  Triebwerk, in 3 und 5-türiger
Ausführung und, freu, freu, mit Winterpaket-Ausstattung.

...Optik...

Einmal mehr wurde die Optik entscheidend verändert. Nachdem sich  das Vorgänger-
modell noch mit einem mässigen  Facelift zu wiederum seinem Vorgänger  zufrieden
geben mußte, sieht unser neuer Hirsch viel frischer und dynamischer aus. Von dem
Hutzel-Lupo  wurden  die Kulleraugen  übernommen  und um 2  weitere Scheinwerfer
erweitert, alles in feschem  Klarglas-Design. Die  Schnauze  wirkt bei insgesamt
längerer  Karosse deutlich  kürzer und die  Fahrgastzelle  ein wenig  höher. Die
schräg ansteigenden  Seitenlinien  verleihen  dem Fahrzeug ein recht sportliches
aussehen, ebenso  wie die leicht  schräg  abfallende  Heckpartie  mit den großen
Rücklichtern. Mit seinen  ganzen Ausmaßen ist der neue Polo dem Kleinwagen-Image
deutlich entwachsen, er ist abermals um 5 cm auf nun 3,89 gewachsen, das undank-
bare Ende der Fahnenstange darf nun die Seifenkiste auf Rädern, der Lupo ausfül-
len, während sich der Polo anschickt, langsam in Golf-Regionen aufzubrechen.
Insgesamt wirken die äußeren Formen doch sehr ansprechend, auch wenn die Kuller-
augen-Optik nicht jederman's Geschmack sein dürfte.

...Innenraum...

Der  Abschied vom  Kleinwagen-Image  fällt hier  sofort auf. Die  vorderen Sitze
bieten  viel  Platz, sind straff  gefedert und  dennoch  sehr bequem. Die höhere
Fahrgastzelle  verschafft  ein ungeahntes  Raumgefühl, selbst für große Personen
wie mich. Allerdings trifft  dies nur auf  den 3-Türer zu. Die 5-türige  Version
beengt  auch den Einstieg  auf die vorderen Plätze für Leute die größer als 1,8o
sind. Diesmal hat man es auch endlich geschafft, den Fond-Passagieren mehr Platz
zu gönnen und bei mittlerer eingestellter Sitzposition der Frontsitze haben auch
größere  Menschen im  hinteren Abteil  durchaus Platz. Bei der  3türigen Version
wird den Fondpassagieren  mit der Easy-Entry-Funktion  der Einstieg erleichtert,
das heißt, daß  beim Einstieg  die Lehne nicht  nur nach vorn klappt sondern der
ganze Sitz  gleich federleicht  bis zum Anschlag nach vorn fährt, allerdings hat
die auch  einen Haken, auf  den ich  beim Thema  Sicherheit  nochmals zusprechen
kommen werde. Ebenso gewachsen ist nun auch der Kofferraum, mit dem man nun ohne
weiteres auch 3 - 4 Bierkisten rumfahren kann.
Der Innenraum bietet den  vorderen Plätzen  jede Menge Ablagen  in den Türen, in
und  auf der  Mittelkonsole, unterm  Lenkrad  und  Handschuhfach. Letzteres  ist
wieder mal Airbag-bedingt sehr beengt. Dafür gibts aber  unter dem Beifahrersitz
noch ein größeres Staufach, in dem auch der dickste ADAC-Atlas Platz findet.
Der Fahrersitz läßt sich  in der Höhe verstellen, ebenso wie die Lenksäule sowie
die Arretierung der Gurte. Und wo wir  gerade dabei sind, auch  das kleine Fuhr-
werk  verfügt in dieser Ausstattung  bereits über  Seitenairbags, beim Vorgänger
waren diese nur optional zu haben.
Weiterhin verblüfft  der kleine Kerl mit  jeder Menge neckischer Spielereien und
sehr angenehmen Ausstattungs-Elementen. Beispiele?
Neben zwei Becherhaltern auf dem Mitteltunnel für die Fontpassagiere, gibts vorn
einen variabel einstellbaren Halter, der auf den ersten Blick sehr lawede wirkt,
aber durchaus auch eine volle o,7 Liter Glasflasche zu halten im Stande ist.
Das Alpha-Radio ist endlich erwachsen geworden und nicht mehr nur ein steinzeit-
liches Ausstattungselement mit  Kassetten-Dudel. Nein, jetzt gibts  auch RDS und
jede Menge Klangeinstellungen, und das wie  gewohnt zu mehreren  Boxen und macht
richtig viel Lärm... die Boxen sind dabei auch stärkeren Bassdrums gewachsen.
Weiter  gehts... Die Innenbeleuchtung  lässt sich  variable  schalten, so lassen
sich beide Frontsitze  einzeln beleuchten, es gibt Ausschaltverzögerung nach dem
Ein- und  Aussteigen und  als  kleinen  Clou, beleuchtete  Kosmetik-Spiegel, für
Beifahrer UND  Fahrer (da werden wohl vermehrt Frauen als Kunden anvisiert), und
diese Spiegel offenbahren ihr Licht erst beim zurseiteschieben der  Abdeckung...
Was  haben wir  noch? Das "übliche"... beheizbare  und  elektrisch  verstellbare
Aussenspiegel, elektrische  Fensterheber, sehr  kräftige  Sitzheizungen  auf den
Frontsitzen (das  brennt  einem  der Arsch...), abschaltbarer  Beifahrer-Airbag,
asymetrisch teilbare Rücksitzbank, Kopfstützen hinten usw... und... und...
Sehr heimelig  wird es  übrigens im  Dunkeln, vom Vorgänger bekannt sind bereits
die blau beleuchteten Armaturen mit roten Zeigern und Beschriftungen, sieht sehr
groovy  aus und sobald  man im Dunkeln  durch die Botanik  fährt, ist  der Polo-
Eindruck und das Kleinwagen-Feeling endgültig erledigt.

...Motor und Fahrverhalten...

Lässt man den Motor an, fällt einem sofort das nagelnde Getacker des 3-Zylinders
auf, der im ersten Moment fast ein wenig an einen Diesel erinnert. Die 1.2 Liter
Maschine liefert 55 PS und  sollte somit etwas  flinker unterwegs sein, als mein
Vorgänger-Fahrzeug mit  1.o Litern und 45 PS. Der erste tritt aufs Gaspedal gibt
mir recht. Ziemlich  flott bewegt sich  der Zeiger auf der Uhr gen der 1oo km/h-
Marke, während  das Triebwerk  dröhnt und röhrt. Dabei  sollte man  das schalten
natürlich nicht vergessen, da die Maschine irgendwo bei 5ooo Umdrehungen einfach
abregelt, für mich ein wenig ungewohnt, da mein guter  Ford bis knapp 7ooo dreht
und es  ungünstig ist, wenn  im Überholvorgang dem  Karren auf  einmal  der Atem
stockt. Laut Hersteller  entfaltet die Maschine bei 44oo Umdrehungen ihre größte
Kraft, was der subjektive Eindruck nicht ganz zu halten vermag.
Auch  die  155 km/h Endgeschwindigkeit  sind nur  bergab und  mit  Rückenwind zu
erreichen und das, obwohl  man im  Gegensatz zum Vorgänger-Modell, der auf 175er
Reifen  herumfuhr nur  mit 165er Latschen  unterwegs  ist. Jenseits der 14o km/h
Marke  wird Beschleunigung  zäh wie Leder obwohl man das Pedal fast durchs Blech
tritt. Dies erinnert mich spontan an meinen alten Genossen, dem allerdings schon
bei 13o die Puste  weg blieb, der aber dennoch in etwa die selbe Endgeschwindig-
keit erreichte.
Bis etwa 1oo km/h bewegt sich  der gute dennoch  flink wie  ein Wiesel, wenn man
mit höheren Drehzahlen fährt. Überhaupt ist der Wagen nix für Schaltmuffel, wenn
man auf  kurze Beschleunigungen  angewiesen ist, sollte man nicht zu untertourig
fahren, laut Handbuch sollten  unter 1.7oo Touren  vermieden  werden (was?!), da
das Triebwerk dann grosse Probleme  hat, dem Wagen auf die Sprünge zu helfen. Wo
liegt da der Hase im Pfeffer?! Ein Blick in die Papiere bringt es auf den Punkt,
knapp 1,1 Tonnen sind zu bewegen  und das ist für ein Fahrzeug dieser Größe doch
wohl sehr happig. In  diesem Zusammenhang  sieht der Motor mit seinen 55 PS doch
sehr alt aus.
Trotz  ESP kann er in der  Stabilität  dem Vorgänger  beim  um die Kurven bügeln
nicht ganz das Wasser reichen, bedingt durch die höhere Karosserie und wohl auch
die schmaleren Reifen, dennoch bedarf es schon Extrem-Situationen um den Reifen
einen Quietschlaut zu entlocken.

...Sicherheit...

Der neue Polo gehört  zweifellos  zu den sichersten Vertretern seiner Klasse und
bietet neben dem gesamten  Fahrwerksprogramm  wie ABS und ESP, Airbags für Front
und Seite an. Auch die Karosse erscheint äußerst stabil und massiv. Ein Negativ-
Punkt ist mir  im Zusammenhang mit  der Easy-Entry-Funktion  aufgefallen: stellt
man beispielsweise  eine große  Tasche hinter  den Sitz, rastet der Sitz -nicht-
wieder ein, auch nicht auf einer  weiter vorn liegenden  Position. Das merkt man
allerdings erst beim Bremsen, wenn man ganz vorn unterm Lenkrad klemmt.

...Finanzen...

Solange man über die Pisten dübelt, mag die Welt in Ordnung sein, schaut man auf
die Tankuhr, vergeht einem das  Lachen. Nach  in der Regel  45o km will der gute
schon an die Tankstelle und  macht in der  Reserve mit  einem penetranten Piepen
beim Anlassen auf seinen Durst  aufmerksam. Steht  man erstmal an  der Zapfsäule
und lässt das gute Super rein, beginnt das kratzen am Kopf, denn  trotz der paar
Kilometer gibt sich der gute erst mit knapp 4o Litern  zufrieden. Da helfen auch
die  Michelin Energy  Reifen nix, auf denen der Karren unterwegs ist. Der kleine
Bruder schluckt wie ein Loch, besonders nun  durch die Massen  die bewegt werden
müssen und die hohen  Drehzahlen, die erst Fahrspaß  aufkommen lassen. Also beim
besten Willen, 8 - 8,5 Liter Super auf 1oo km sind viel zu viel (im Schnitt etwa
7o% Landstraße, rest Stadt), daß braucht  mein oller  13 Jahre  alter Ford auch,
bietet dafür aber doppelt so viel PS und Endgeschwindigkeiten bei 2oo...
Im übrigen sei erwähnt, daß es mir selbst mit ADAC-Spritspar-Training-A-Like-Ge-
fahre lediglich gelungen ist, an der 5oo km Marke zu kratzen und das stimmt dann
schon nachdenklich.
Natürlich kann man den Polo auch mit Normalbenzin  beheizen, doch dann sind jede
Vorstellungen an und vielleicht über die 45o km Marke zu kommen, von vorn herein
illusorisch.

Nächster Haken, irgendwie  hat der Karren  seine Tücken, vermutlich im Zusammen-
hang mit  dem schwachbrüstigen  Motor und der schweren Karosserie. Die Kollegen,
der für die Kopplung beider  Dinge verantwortlich ist, Kupplung & Getriebe, sind
mit Bedacht zu geniessen. Innerhalb kürzester  Zeit ist es an 3 neuen Fahrzeugen
zu einem Kupplungs/Getriebe-Schaden gekommen, nach jeweils nicht mal 1o.ooo km!
Bei mir  erfolgte das  völlig spontan  mit dem Ausfall des  Rückwärtsganges, was
dazu führte, daß  ich das  Schwergewicht  rückwärts  aus  der Einfahrt  schieben
mußte, bei 1,1 Tonnen  nicht so der Hit. Tja, beim  Versuch vorwärts  zu fahren,
stellte  sich  heraus, daß 1., 2. und 5. Gang ebenfalls  verabschiedet waren und
der Schaltknauf hing in den Ringen wie ein Lämmerschwanz.
Ich glaube, daß dies nur  der Anfang eines  Reparatur-Reigens ist, denn der rei-
henweise Ausfall an  Fahrzeugen deutet auf ein  Fehler im System, daß ohne Nach-
besserung nicht so einfach aus der Welt zu schaffen ist...

Tja, und wo wir  bei Finanzen sind... in oben  erwähnter  Ausstattung kostet das
gute Stück auch schon stramme 12.ooo Euro aufwärts, trotz all der neckischen De-
tails und ob der oben erwähnten  Probleme mit Sparsamkeit und technischer Unaus-
gegorenheit, ein stolzer Preis, für den man bei Wettbewerbern durchaus mehr Auto
bekommt, vor allem mit mindestens gleichwertiger Ausstattung.

...Endbetrachtung...

Der neue Polo ist ein  neckisches Fahrzeug, sieht  schnucklig  aus, ist mehr als
randvoll gestopft mit neuester  Technik, gehört  ohne Zweifel zu den  sichersten
Vertretern seiner  Klasse... aber... ist  entschieden  zu teuer, in Unterhaltung
und Anschaffung. Nicht nur, daß  das Triebwerk  einem das  Geld wie  Heu aus der
Tasche frisst, auch der  Umstand, daß bei deutschen Markenherstellern die Preise
seit Jahren immer nur nach oben hin  korrigiert werden, versauern einem doch die
Idee sich das Fahrzeug zuzulegen, von den nicht absehbaren technischen Problemen
im Bezug auf den  schwachbrüstigen Motor und  seinen  überdurchschnittlichen An-
strengungen  das Fahrzeug  ins Rollen zu bringen, möchte ich  gar nicht erst an-
fangen. Spätestens wenn das  nächste Getriebe verdampft, muß  man sich die Frage
stellen, ob deutsche Markenfabrikate ihr -vieles- Geld überhaupt nocht wert sind
oder ob wir wieder in Zeiten leben, in denen lediglich das Emblem auf der Motor-
haube zählt.
Klar, wer  in Zeiten der Rezession  genug Kohle hat, sie  in einen neuen Polo zu
investieren, kann dies gerne, wenn Geld  eine untergeordnete Rolle  spielt, wird
man mit  dem Fahrzeug  sehr gut bedient, doch  wo ist das  heutzutage -wirklich-
noch der Fall?
Ich fahre gern mit dem Polo, aber kaufen... zu dem Preis mit Sicherheit nicht...

                                                                 moondog - o1/o4
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UCM 25