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NEU IM UCM TEST-LABOR
VW POLO 1.2
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Hallo zusammen, heute geht es mal an richtig harte Ware.
Da wir uns neue Dienstfahrzeuge zugelegt haben, will ich doch gleich mal einen
kleinen Praxis-Test durchführen, da die üblichen Tests in Automobil-Zeitungen
meist am Käufer vorbei testen.
Also, seit August diesen Jahres fahre auch ich das neueste Polo Modell von VW,
nachdem ich über die letzten Jahre die letzten 3 Polo Vorgänger-Generationen
mitgenommen habe. Von jeher war ich nicht unbedingt ein VW Fan aber jeder dieser
kleinen Karren hatte das eine oder andere, weshalb man ihn mögen konnte, so auch
unser neuester Vertreter. Wir haben 2 verschiedene Typen zur Auswahl, jeweils
motorisiert mit dem neuen 1.2 Liter Dreizylinder Triebwerk, in 3 und 5-türiger
Ausführung und, freu, freu, mit Winterpaket-Ausstattung.
...Optik...
Einmal mehr wurde die Optik entscheidend verändert. Nachdem sich das Vorgänger-
modell noch mit einem mässigen Facelift zu wiederum seinem Vorgänger zufrieden
geben mußte, sieht unser neuer Hirsch viel frischer und dynamischer aus. Von dem
Hutzel-Lupo wurden die Kulleraugen übernommen und um 2 weitere Scheinwerfer
erweitert, alles in feschem Klarglas-Design. Die Schnauze wirkt bei insgesamt
längerer Karosse deutlich kürzer und die Fahrgastzelle ein wenig höher. Die
schräg ansteigenden Seitenlinien verleihen dem Fahrzeug ein recht sportliches
aussehen, ebenso wie die leicht schräg abfallende Heckpartie mit den großen
Rücklichtern. Mit seinen ganzen Ausmaßen ist der neue Polo dem Kleinwagen-Image
deutlich entwachsen, er ist abermals um 5 cm auf nun 3,89 gewachsen, das undank-
bare Ende der Fahnenstange darf nun die Seifenkiste auf Rädern, der Lupo ausfül-
len, während sich der Polo anschickt, langsam in Golf-Regionen aufzubrechen.
Insgesamt wirken die äußeren Formen doch sehr ansprechend, auch wenn die Kuller-
augen-Optik nicht jederman's Geschmack sein dürfte.
...Innenraum...
Der Abschied vom Kleinwagen-Image fällt hier sofort auf. Die vorderen Sitze
bieten viel Platz, sind straff gefedert und dennoch sehr bequem. Die höhere
Fahrgastzelle verschafft ein ungeahntes Raumgefühl, selbst für große Personen
wie mich. Allerdings trifft dies nur auf den 3-Türer zu. Die 5-türige Version
beengt auch den Einstieg auf die vorderen Plätze für Leute die größer als 1,8o
sind. Diesmal hat man es auch endlich geschafft, den Fond-Passagieren mehr Platz
zu gönnen und bei mittlerer eingestellter Sitzposition der Frontsitze haben auch
größere Menschen im hinteren Abteil durchaus Platz. Bei der 3türigen Version
wird den Fondpassagieren mit der Easy-Entry-Funktion der Einstieg erleichtert,
das heißt, daß beim Einstieg die Lehne nicht nur nach vorn klappt sondern der
ganze Sitz gleich federleicht bis zum Anschlag nach vorn fährt, allerdings hat
die auch einen Haken, auf den ich beim Thema Sicherheit nochmals zusprechen
kommen werde. Ebenso gewachsen ist nun auch der Kofferraum, mit dem man nun ohne
weiteres auch 3 - 4 Bierkisten rumfahren kann.
Der Innenraum bietet den vorderen Plätzen jede Menge Ablagen in den Türen, in
und auf der Mittelkonsole, unterm Lenkrad und Handschuhfach. Letzteres ist
wieder mal Airbag-bedingt sehr beengt. Dafür gibts aber unter dem Beifahrersitz
noch ein größeres Staufach, in dem auch der dickste ADAC-Atlas Platz findet.
Der Fahrersitz läßt sich in der Höhe verstellen, ebenso wie die Lenksäule sowie
die Arretierung der Gurte. Und wo wir gerade dabei sind, auch das kleine Fuhr-
werk verfügt in dieser Ausstattung bereits über Seitenairbags, beim Vorgänger
waren diese nur optional zu haben.
Weiterhin verblüfft der kleine Kerl mit jeder Menge neckischer Spielereien und
sehr angenehmen Ausstattungs-Elementen. Beispiele?
Neben zwei Becherhaltern auf dem Mitteltunnel für die Fontpassagiere, gibts vorn
einen variabel einstellbaren Halter, der auf den ersten Blick sehr lawede wirkt,
aber durchaus auch eine volle o,7 Liter Glasflasche zu halten im Stande ist.
Das Alpha-Radio ist endlich erwachsen geworden und nicht mehr nur ein steinzeit-
liches Ausstattungselement mit Kassetten-Dudel. Nein, jetzt gibts auch RDS und
jede Menge Klangeinstellungen, und das wie gewohnt zu mehreren Boxen und macht
richtig viel Lärm... die Boxen sind dabei auch stärkeren Bassdrums gewachsen.
Weiter gehts... Die Innenbeleuchtung lässt sich variable schalten, so lassen
sich beide Frontsitze einzeln beleuchten, es gibt Ausschaltverzögerung nach dem
Ein- und Aussteigen und als kleinen Clou, beleuchtete Kosmetik-Spiegel, für
Beifahrer UND Fahrer (da werden wohl vermehrt Frauen als Kunden anvisiert), und
diese Spiegel offenbahren ihr Licht erst beim zurseiteschieben der Abdeckung...
Was haben wir noch? Das "übliche"... beheizbare und elektrisch verstellbare
Aussenspiegel, elektrische Fensterheber, sehr kräftige Sitzheizungen auf den
Frontsitzen (das brennt einem der Arsch...), abschaltbarer Beifahrer-Airbag,
asymetrisch teilbare Rücksitzbank, Kopfstützen hinten usw... und... und...
Sehr heimelig wird es übrigens im Dunkeln, vom Vorgänger bekannt sind bereits
die blau beleuchteten Armaturen mit roten Zeigern und Beschriftungen, sieht sehr
groovy aus und sobald man im Dunkeln durch die Botanik fährt, ist der Polo-
Eindruck und das Kleinwagen-Feeling endgültig erledigt.
...Motor und Fahrverhalten...
Lässt man den Motor an, fällt einem sofort das nagelnde Getacker des 3-Zylinders
auf, der im ersten Moment fast ein wenig an einen Diesel erinnert. Die 1.2 Liter
Maschine liefert 55 PS und sollte somit etwas flinker unterwegs sein, als mein
Vorgänger-Fahrzeug mit 1.o Litern und 45 PS. Der erste tritt aufs Gaspedal gibt
mir recht. Ziemlich flott bewegt sich der Zeiger auf der Uhr gen der 1oo km/h-
Marke, während das Triebwerk dröhnt und röhrt. Dabei sollte man das schalten
natürlich nicht vergessen, da die Maschine irgendwo bei 5ooo Umdrehungen einfach
abregelt, für mich ein wenig ungewohnt, da mein guter Ford bis knapp 7ooo dreht
und es ungünstig ist, wenn im Überholvorgang dem Karren auf einmal der Atem
stockt. Laut Hersteller entfaltet die Maschine bei 44oo Umdrehungen ihre größte
Kraft, was der subjektive Eindruck nicht ganz zu halten vermag.
Auch die 155 km/h Endgeschwindigkeit sind nur bergab und mit Rückenwind zu
erreichen und das, obwohl man im Gegensatz zum Vorgänger-Modell, der auf 175er
Reifen herumfuhr nur mit 165er Latschen unterwegs ist. Jenseits der 14o km/h
Marke wird Beschleunigung zäh wie Leder obwohl man das Pedal fast durchs Blech
tritt. Dies erinnert mich spontan an meinen alten Genossen, dem allerdings schon
bei 13o die Puste weg blieb, der aber dennoch in etwa die selbe Endgeschwindig-
keit erreichte.
Bis etwa 1oo km/h bewegt sich der gute dennoch flink wie ein Wiesel, wenn man
mit höheren Drehzahlen fährt. Überhaupt ist der Wagen nix für Schaltmuffel, wenn
man auf kurze Beschleunigungen angewiesen ist, sollte man nicht zu untertourig
fahren, laut Handbuch sollten unter 1.7oo Touren vermieden werden (was?!), da
das Triebwerk dann grosse Probleme hat, dem Wagen auf die Sprünge zu helfen. Wo
liegt da der Hase im Pfeffer?! Ein Blick in die Papiere bringt es auf den Punkt,
knapp 1,1 Tonnen sind zu bewegen und das ist für ein Fahrzeug dieser Größe doch
wohl sehr happig. In diesem Zusammenhang sieht der Motor mit seinen 55 PS doch
sehr alt aus.
Trotz ESP kann er in der Stabilität dem Vorgänger beim um die Kurven bügeln
nicht ganz das Wasser reichen, bedingt durch die höhere Karosserie und wohl auch
die schmaleren Reifen, dennoch bedarf es schon Extrem-Situationen um den Reifen
einen Quietschlaut zu entlocken.
...Sicherheit...
Der neue Polo gehört zweifellos zu den sichersten Vertretern seiner Klasse und
bietet neben dem gesamten Fahrwerksprogramm wie ABS und ESP, Airbags für Front
und Seite an. Auch die Karosse erscheint äußerst stabil und massiv. Ein Negativ-
Punkt ist mir im Zusammenhang mit der Easy-Entry-Funktion aufgefallen: stellt
man beispielsweise eine große Tasche hinter den Sitz, rastet der Sitz -nicht-
wieder ein, auch nicht auf einer weiter vorn liegenden Position. Das merkt man
allerdings erst beim Bremsen, wenn man ganz vorn unterm Lenkrad klemmt.
...Finanzen...
Solange man über die Pisten dübelt, mag die Welt in Ordnung sein, schaut man auf
die Tankuhr, vergeht einem das Lachen. Nach in der Regel 45o km will der gute
schon an die Tankstelle und macht in der Reserve mit einem penetranten Piepen
beim Anlassen auf seinen Durst aufmerksam. Steht man erstmal an der Zapfsäule
und lässt das gute Super rein, beginnt das kratzen am Kopf, denn trotz der paar
Kilometer gibt sich der gute erst mit knapp 4o Litern zufrieden. Da helfen auch
die Michelin Energy Reifen nix, auf denen der Karren unterwegs ist. Der kleine
Bruder schluckt wie ein Loch, besonders nun durch die Massen die bewegt werden
müssen und die hohen Drehzahlen, die erst Fahrspaß aufkommen lassen. Also beim
besten Willen, 8 - 8,5 Liter Super auf 1oo km sind viel zu viel (im Schnitt etwa
7o% Landstraße, rest Stadt), daß braucht mein oller 13 Jahre alter Ford auch,
bietet dafür aber doppelt so viel PS und Endgeschwindigkeiten bei 2oo...
Im übrigen sei erwähnt, daß es mir selbst mit ADAC-Spritspar-Training-A-Like-Ge-
fahre lediglich gelungen ist, an der 5oo km Marke zu kratzen und das stimmt dann
schon nachdenklich.
Natürlich kann man den Polo auch mit Normalbenzin beheizen, doch dann sind jede
Vorstellungen an und vielleicht über die 45o km Marke zu kommen, von vorn herein
illusorisch.
Nächster Haken, irgendwie hat der Karren seine Tücken, vermutlich im Zusammen-
hang mit dem schwachbrüstigen Motor und der schweren Karosserie. Die Kollegen,
der für die Kopplung beider Dinge verantwortlich ist, Kupplung & Getriebe, sind
mit Bedacht zu geniessen. Innerhalb kürzester Zeit ist es an 3 neuen Fahrzeugen
zu einem Kupplungs/Getriebe-Schaden gekommen, nach jeweils nicht mal 1o.ooo km!
Bei mir erfolgte das völlig spontan mit dem Ausfall des Rückwärtsganges, was
dazu führte, daß ich das Schwergewicht rückwärts aus der Einfahrt schieben
mußte, bei 1,1 Tonnen nicht so der Hit. Tja, beim Versuch vorwärts zu fahren,
stellte sich heraus, daß 1., 2. und 5. Gang ebenfalls verabschiedet waren und
der Schaltknauf hing in den Ringen wie ein Lämmerschwanz.
Ich glaube, daß dies nur der Anfang eines Reparatur-Reigens ist, denn der rei-
henweise Ausfall an Fahrzeugen deutet auf ein Fehler im System, daß ohne Nach-
besserung nicht so einfach aus der Welt zu schaffen ist...
Tja, und wo wir bei Finanzen sind... in oben erwähnter Ausstattung kostet das
gute Stück auch schon stramme 12.ooo Euro aufwärts, trotz all der neckischen De-
tails und ob der oben erwähnten Probleme mit Sparsamkeit und technischer Unaus-
gegorenheit, ein stolzer Preis, für den man bei Wettbewerbern durchaus mehr Auto
bekommt, vor allem mit mindestens gleichwertiger Ausstattung.
...Endbetrachtung...
Der neue Polo ist ein neckisches Fahrzeug, sieht schnucklig aus, ist mehr als
randvoll gestopft mit neuester Technik, gehört ohne Zweifel zu den sichersten
Vertretern seiner Klasse... aber... ist entschieden zu teuer, in Unterhaltung
und Anschaffung. Nicht nur, daß das Triebwerk einem das Geld wie Heu aus der
Tasche frisst, auch der Umstand, daß bei deutschen Markenherstellern die Preise
seit Jahren immer nur nach oben hin korrigiert werden, versauern einem doch die
Idee sich das Fahrzeug zuzulegen, von den nicht absehbaren technischen Problemen
im Bezug auf den schwachbrüstigen Motor und seinen überdurchschnittlichen An-
strengungen das Fahrzeug ins Rollen zu bringen, möchte ich gar nicht erst an-
fangen. Spätestens wenn das nächste Getriebe verdampft, muß man sich die Frage
stellen, ob deutsche Markenfabrikate ihr -vieles- Geld überhaupt nocht wert sind
oder ob wir wieder in Zeiten leben, in denen lediglich das Emblem auf der Motor-
haube zählt.
Klar, wer in Zeiten der Rezession genug Kohle hat, sie in einen neuen Polo zu
investieren, kann dies gerne, wenn Geld eine untergeordnete Rolle spielt, wird
man mit dem Fahrzeug sehr gut bedient, doch wo ist das heutzutage -wirklich-
noch der Fall?
Ich fahre gern mit dem Polo, aber kaufen... zu dem Preis mit Sicherheit nicht...
moondog - o1/o4
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